Zwergkrallenfrösche

Autor: Martin Truckenbrodt

Zwergkrallenfroschkaulquappen füttern

Die Kaulquappen der Zwergkrallenfrösche sind, im Gegensatz zu den Kaulquappen der Krallenfrösche und der Wabenkröten, vom Anfang an Carnivore, das heißt sie fressen, im Gegensatz zu fast allen anderen Froschlurchlarven, ausschließlich tierische Nahrung. Selbstverständlich sollte die Nahrung im Laufe des Wachstums auch mitwachsen bzw. größer werden. Um eine Verschmutzung des Wassers im Aufzuchtbecken zu verringern, kann man kleine Schlamm- oder kleine Posthornschnecken mit ins Aufzuchtbecken geben, welche Futterreste verzehren. Viele der nachstehenden Infos habe ich von Dirk Rose erhalten. Dafür an dieser Stelle herzlichen Dank. In der Literatur werden hin und wieder vereinzelt auch noch andere Futtermittel, als die folgend Genannten, erwähnt. Ich habe diese alle noch nicht ausprobiert. Wenn jemand positive oder negative Erfahrungen mit anderen Futtermitteln bei der Aufzucht von Zwergkralli- und anderen Pipidenkaulis hat, würde ich mich über einen Kontakt und Infos sehr freuen.

In den meisten Fällen kann man von Anfang an mit frischgeschlüpften Japanischen Kugelwasserflöhen (Moina) oder Salinenkrebschennauplien (Artemia) füttern. Falls dieses Futter zu groß ist oder zum Zufüttern in den ersten Tagen nach dem Freischwimmen, sprich etwa vier bis sechs Tage nach dem Schlupf, sind mir folgende Infusorien- und Industrie-Futtermöglichkeiten bekannt:

  • Pantoffeltierchen – Infusorien auf Bananenschalen bzw. in Kondensmilch: Man nimmt Bananenschalen und gibt sie in ein Behältnis mit Wasser. Nähere Infos dazu findet man auf der Website von Christian Westhäuser tuempeln.de.
    Eine andere Variante ist ein Ansatz mit Kondensmilch.
  • JBL Nobil Fluid: Ist mir von einem Killifischfreak als bestes Flüssigpräparat empfohlen worden. Grundsätzlich ist es sowas ähnliches wie Liquifry.
  • Liquifry No.2 (Grün) von Interpet: Dies ist eine flüssige Spezialnahrung, eigentlich für lebendgebärende Zierfische. Man gibt täglich möglichst mehrmals ein paar Tropfen von diesem flüssigen Planktonpräparat ins Wasser. Es ist in fast allen Zooläden erhältlich. Interessanterweise ist mir nie Liquifry No. 1 (Rot) , Spezialfutter für Jungfische von eierlegenden Fischen, empfohlen worden. Ich habe vor längerer Zeit beide Sorten ausprobiert, allerdings habe ich damals noch andere Aufzuchtprobleme gehabt, so dass ich nicht sagen kann, welches Präparat nun wirklich besser geeignet ist. Man muß bei diesen flüssigen Präparaten immer vorsichtig sein, damit das Wasser nicht plötzlich verdirbt.
  • Protogen von Brustmann: Dieses Präparat ist laut meinem Stamm-Aquaristikgeschäft mit Liquifry No. 2 (Grün) vergleichbar. Allerdings sei Protogen leichter zu handhaben. Man kann die Körnchen direkt ins Aufzuchtbecken geben. Allerdings ist ein Futteransatz in einem Gurkenglas oder ähnlichem ungefährlicher. Auch dieses Präparat kann das Wasser schnell belasten. Angeblich soll es sich bei Protogen um Pantoffeltierchen handeln.
  • Restwasser von aufgetautem Frostfutter: Siebt man aufgetautes Frostfutter ab, kann man die Brühe ins Aufzuchtbecken geben. Vorsicht: Kann Krankheitserreger oder Giftstoffe enthalten.
  • Ausgesiebtes feines Tümpelfutter: Z.B. mit einem Artemia-Siebset kann man kleineres tierisches Plankton einfach aussieben.
Aufzuchtfutter Infusorien

Sofort ab dem Freischwimmen kann, zumindest parallel zu den oben genannten Präparaten, mit größerer Nahrung begonnen werden. Sobald man Kaulquappen beim erfolgreichen Schnappen nach Moina oder Artemia beobachtet hat, kann man mit dem Verfüttern der Infusorien aufhören. Ziemlich genial ist es, wenn man die Möglichkeit hat, regelmäßig lebende Cyclops (Hüpferlinge) oder Daphnia (Wasserflöhe) tümpeln zu können. Hier nun die Einzelheiten:

  • Japanische Kugelwasserflöhe – Moina: Diese Wasserflöhe sind im Gegensatz zu unseren einheimischen Wasserflöhen sehr einfach zu vermehren. Man braucht ein Gurkenglas oder ein kleines Aquarium (12 Liter) mit abgestandenem Wasser, einen Zuchtansatz und Haferflocken oder Hefe als Futter. Die Zucht von Moina (Zuchtanleitung) ist wesentlich einfacher und mit etwas Übung auch wesentlich produktiver als die Zucht von Artemia. Daher sind sie meine absoluten Favoriten als Aufzuchtfutter für Zwergkrallenfroschkaulis.
    Weitere Infos dazu auf der Website von Christian Westhäuser tuempeln.de.
  • Artemianauplien: Das sind die Larven von Salinenkrebschen aus verschiedenen Salzseen Nordamerikas. Im Prinzip sieht die Aufzucht dieser Krebschen folgendermaßen aus: Man gibt jodfreies Salz und Artemiaeier in ein Behältnis mit Wasser. Dieses Wasser muß dauerhaft eine Temperatur von mindestens 20°C, im optimalen Fall 25°C, haben und kräftig grobperlig durchlüftet werden. Nach ein bis zwei Tagen schlüpfen schon die Nauplien. Man kann sie sofort verfüttern oder noch einige Zeit mit speziellem Aufzuchtfutter heranmästen.
    Weitere Infos dazu auf der Website von Christian Westhäuser tuempeln.de.
    Eine Übersicht über Zubehör und weitere Tipps findet man beim amtlichen Artemia-Spezialisten Hobby Dohse www.hobby-dohse.com. Die wichtigsten Artikel dazu bekommt man in jedem Zooladen mit Aquaristikabteilung. Ich selbst habe auch schon mehrmals Artemianauplien gezüchtet. Ich habe gute Erfahrungen mit den Flaschenaufsätzen gemacht. Mittlerweile mache ich aber nur noch in Moina.
  • getümpelte Cyclops und Daphnia: Hat man die Möglichkeit selbst Tümpeln gehen zu können, ist dies eine geniale Art der Fütterung. Man muß nur einmal die Woche Cyclops mit Genehmigung des Pächter soder Besitzers aus einem einem Fischweiher oder anderem holen und schon die kleinen Kaulis eine Woche lang volle Mägen. Zusätzlich dazu sollte man trotzdem noch Moina oder Artemia züchten, da die Menge an Lebendfutter in den Teichen über das Jahr hinweg stark schwankt.
    Mehr Infos dazu auf der Website von Christian Westhäuser tuempeln.de.

In der Zeit der Metamorphose kann man schon langsam auf Erwachsenenfutter umsteigen:

  • Ab dem Durchbrechen der Hinterbeine kann man versuchsweise mit tiefgefrorenen Cyclops und Bosmiden füttern. Allerdings muß man auf die Größe des Froschmäulchens achten. Es wird gelegentlich davon berichtet, dass sich Jungfrösche an zu großer Nahrung verschlucken und daran ersticken können. Ein rote Mückenlarve z. B. ist ungefähr doppelt so lang wie ein frisch metamophorisierter Jungzwergkralli.
  • Sind die Vorderbeine vorhanden und bildet sich der Schwanz schon zurück, kann man erst Schwarze und dann wenig Rote Mückenlarven füttern.
  • Sonstige kleine Krebschen und Wasserinsekten: Eventuell kann mangrößere Zwergkrallenfroschkaulquappen auch mit frischgeschlüpften mexikanischen Kampfkrebschen (Hyalella azteca) füttern. Meine Zuchtversuche waren bisher nicht so erfolgreich, so dass ich die Zucht aufgegeben habe.